Zwischenruf
Wie halten Sie´s mit Karneval?
Gehen Sie hin? Gibt's das überhaupt im windigen Ostfriesland? Oder weht einem die Pappnase um die Ohren?
Man soll es ja nicht glauben, aber im Emsland gibt es sogar Umzüge mit bunten Fußtruppen und Schöninghdorf an der niederländischen Grenze ist berühmt für seine phantasievollen Umzugswagen. In Lingen tanzen die Funkenmariechen und schmeißen zur Gaudi der vielfarbperückten ihre Beine in die Höhe. Und die Produkte der emsländischen Familien Rosche, Heidt und Berentzen sind in (fast) aller Munde.
Immer werde ich angesprochen, ob ich denn auch hinginge. Na ja, für die Kinder der Gemeinde haben wir auch schon Faschingsnachmittage organisiert aber dieser Klamauk für Große, kann ich mich da als Pastor seelenruhig blicken lassen? Ist der Karneval denn ein christlicher Brauch? Darüber lässt sich streiten.
Die einen sagen: ja. Ostern ist das christliche Hauptfest; denn dank Christi Auferstehung gibt es das Christentum. Als Vorbereitung auf den Osterjubel setzt die Fastenzeit ihren ernsten Akzent; deshalb sei es nur natürlich, dass vor den Passionswochen die Lebensfreude überschäume. OK, deshalb treibt´s das Alaafgejohle im Schatten großer Kathedralen also besonders toll.
Andere wehren generell ab: Aus vorchristlich-heidnischer Zeit stamme der Mummenschanz, im Evangelium stehe es anders: "Weh euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet trauern und klagen" (Lk 6,25). Kein einziges Mal heiße es von Jesus, er habe gelacht. Statt den Karnevalsrummel mitzumachen, sollte ein echter Christ also lieber eine Sühneandacht besuchen, wie mancher Pfarrer sie während der tollen Tage hält.
Wer hat mehr recht?
Hat Jesus gelacht? Steht in der Bibel darüber tatsächlich nichts? Oder lesen wir die Bibel bloß falsch? Klingen ihre heiligen Worte uns so ernst, dass wir gar nicht merken, wenn es in ihr einmal richtig witzig zugeht? So ist es.
Nicht nur selbst gelacht hat Jesus, sondern sich einmal sogar durch seinen Humor aus einer üblen Falle befreit, die seine Gegner für ihn aufgebaut hatten.
Einmal hatten die Pharisäer einen unfehlbaren Plan, wie sie Jesus erledigen konnten. Sie würden ihn öffentlich fragen, ob man dem Kaiser von Rom Steuern zahlen darf. Sagt er ja, dann verachtet das ausgeplünderte Volk ihn als Feigling. Sagt er nein, dann zieht die Besatzungsmacht ihn aus dem Verkehr. Antwortet er gar nicht, so ist er blamiert. Irgendwie schnappt die Falle zu, mit Jesus ist es aus. Der durchschaut das böse Spiel sofort. Was soll er aber sagen? Erwartungsvoll lauscht die Menge, ein Spion spitzt das Ohr. Jesus denkt nach.
Und rettet sich durch eine Posse. "Zeigt mir die Steuermünze!" Als hätte er sie nicht gut genug gekannt. Jemand reicht ihm einen Denar. Den hält er einem der Frager vor Augen: Was ist da drauf? - Der Kaiser. - Na ja, dann gebt halt dem Kaiser, was ihm eh gehört. Schallend lacht das Gaffervolk, von politischer Brisanz keine Spur. Oder doch? Die Fallensteller selbst erfassen beschämt die bittere Pointe: Gebt dem Kaiser zurück, was sein ist. Das heißt: Ihr hättet dieses Geld mit dem götzendienerischen Kaiserbildnis gar nicht annehmen dürfen!
"Als sie das hörten, verwunderten sie sich, wandten sich ab und gingen weg" (Mt 22,22). Spürten sie doch genau, was Jesus im Umkehrschluss meinte: Gebt Gott, was Gottes ist, nämlich euch selbst, auch ihr seid ja solche Münzen, von Gott nach seinem eigenen Bild geschaffen. Welch eine Antwort! Mir macht es riesigen Spaß zu sehen, dass Jesus ein so scharfsinnig, witziger Mensch gewesen ist.
Sollen wir also mitmachen beim Karneval? Ach, wer so fragt, dem sage ich: Um Himmels willen, nein! Sollen tun wir das bestimmt nicht. Wer Konfetti und Pappnasen hasst, der bleibe mit Buttermilch angeballert, warum nicht? Oder schafft im Büro vielleicht in den närrischen Tagen besonders viel, während die Kollegen Heidiwitzka veranstalten. Zur Freiheit sind wir befreit.
Wer aber Spaß an der offiziellen Lustigkeit hat, dem drückt unser Herr persönlich eine Rolle Luftschlangen in die Hand: "Wenn ihr euch nicht umwendet und werdet wie die Kinder, kommt ihr nicht ins Himmelreich hinein" (Mt 18,3).
Kinder lieben den Fasching. Bei Berlinern, bunten Prinzessinnenkostümen (oder Piraten) und lustiger Musik freuen sie sich ihres Lebens. Sich von ihnen anstecken lassen, das Kind in Mann oder Frau aufwecken, das kann eine heilsame Übung sein.
In diesem Sinne eine gesegnete Faschings- und Passionszeit!
Ulrich Hirndorf, Medienpastor im Kirchenkreis Emsland-Bentheim




